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Offensive für Mehrweg-Getränkeverpackungen gestartet

Eine von der Bundesregierung geförderte neue Kampagne der Deutschen Umwelthilfe soll die Nutzung von Mehrwegflaschen und -bechern voranbringen. Die DUH fordert zudem ein bundesweites Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat am 4. Oktober in Berlin die Kampagne „Mehrweg. Mach mit!“ vorgestellt. Kernbotschaft ist, dass jeder mit der Nutzung von Mehrwegflaschen und -bechern zum Klimaschützer werden kann. Wenn es gelingt, den jährlichen Verbrauch von mehr als 2,7 Milliarden Getränkedosen, 16 Milliarden Einweg-Plastikflaschen und fast 3 Milliarden Wegwerfbechern für Kaffee zu verringern, dann können nicht nur große Mengen an Plastikmüll, sondern auch jährlich hunderttausende Tonnen des schädlichen Klimagases CO2 vermieden werden. Das DUH-Projekt wird als Teil der Nationalen Klimaschutzinitiative durch das Bundesumweltministerium gefördert.

„Mit dem Projekt möchten wir so viele Menschen wie möglich über die Vorteile von Mehrweggetränkeverpackungen informieren und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Deutsche Umwelthilfe startet deshalb regelmäßig stattfindende Workshops und Schulungen“, erklärt Thomas Fischer, der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft. „Die Teilnehmer sollen als Multiplikatoren eigenständig über die Klimafreundlichkeit von Getränkeverpackungen informieren. So sollen ökologische Kauf- und Systementscheidungen in der Breite unterstützt und herbeigeführt werden. Man kann nicht nur Klimaschützer, sondern auch Klimabotschafter werden“, erklärt Fischer. Zielgruppen sind neben Verbrauchern auch Gastronomen, Verbandsvertreter, Vereine, Unternehmen, Abfallberater sowie Vertreter von Kommunen, Städten und der öffentlichen Beschaffung.

Die Kampagne „Mehrweg. Mach mit!“ soll die Nutzung von Mehrwegflaschen und -bechern voranbringen. (Foto: mehrweg-mach-mit.de)

Wie Mehrweg in der Praxis konsequente Anwendung findet, zeigt das Beispiel der Hamburger Stadtverwaltung. Dort wurde Anfang 2016 ein Leitfaden für eine umweltfreundliche öffentliche Beschaffung verabschiedet. „Der Hamburger Senat hat einen Kriterienkatalog beschlossen, der strenge ökologische Standards für Einkauf und Vergabe definiert. Hamburger Ämter, Behörden und Einrichtungen dürfen keine Kaffeemaschinen mit Alukapseln, Mineralwasser in Einwegflaschen oder Einweggeschirr einkaufen. Mit ihrem Einkaufsvolumen von jährlich rund 250 Millionen Euro kann die Stadt dazu beitragen, dass nachhaltige Produkte am Markt noch mehr Akzeptanz und Absatzchancen bekommen. Wir wollen den Anteil umweltfreundlicher Produkte bei der Stadt deutlich ausweiten und so auch zum Klimaschutz beitragen“, sagt die Verantwortliche für umweltverträgliche Beschaffung der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie Gabriele Meusel.

Dass Mehrweg nicht nur bei klassischen Getränkeverpackungen funktioniert, zeigt das Start-Up-Unternehmen reCup. In vielen deutschen Städten wird bereits ein Pfandsystem für wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher angeboten. „Mehrweg soll Spaß machen und zur täglichen Gewohnheit werden. Das ist unser Ziel und daran arbeiten wir. Das Feedback ist großartig“, sagt Florian Pachaly, Geschäftsführer von reCup. „Mit unserem System hat jeder Verbraucher die Möglichkeit, den bepfandeten Becher nach der Nutzung in einem von aktuell 1.500 Cafés schnell wieder abzugeben. Das stärkt die Akzeptanz von Mehrwegalternativen, macht sie massenmarkttauglich und trägt dazu bei, die eigenen Konsumgewohnheiten zu hinterfragen“, so Pachaly.

Das Start-up reCup bietet in vielen deutschen Städten bereits ein Mehrweg-Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher an. (Foto: reCup)

Ein solches Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher sollte es nach dem Willen der Deutschen Umwelthilfe analog zu Mehrwegflaschen bundesweit geben. So könne ein Großteil der Ressourcen, die für die Herstellung der jährlich rund 2,8 Milliarden in Deutschland verbrauchten Einweg-Pappbechern nötig sind, eingespart und das Klima entlastet werden.

„Wurden 2013 15 Prozent des Kaffees außer Haus konsumiert, waren es 2016 schon 26 Prozent. Wir brauchen endlich eine bundesweite Lösung des Pappbecherproblems. Die Nutzung von Mehrwegbechern muss genauso verbraucherfreundlich sein wie bei ihren Einwegpendants. Dazu ist ein Mehrwegbechersystem mit Pfand nötig, damit Verbraucher den leer getrunkenen Becher bei einer am System teilnehmenden Filiale einfach wieder zurückgeben können. So müssen Mehrwegbecher nicht mehr lange herumgetragen werden. Insbesondere große Kaffeehausketten boykottieren aber bislang ein einheitliches Mehrwegsystem“, kritisiert Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein bundesweites Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher analog zu Mehrwegflaschen. (Foto: GDB / Deutsche Umwelthilfe)

Zwar gibt es bereits einzelne Mehrwegsysteme für den Coffee-to-go, jedoch sind diese zumeist noch regional begrenzt und die Teilnehmer in der Regel Kleinstverkaufsstellen. Hierdurch können jährlich Millionen Einwegbecher eingespart werden, doch das Ziel müsse die Vermeidung von Milliarden Pappbechern sein. Hierfür müssten auch die großen Kaffeeketten mitmachen.

„Es drängt sich der Eindruck auf, dass einige große Kaffeehausketten Verbrauchern Mehrwegbecher nur alibimäßig zum Kauf anbieten, da sie deren Möglichkeit der Wiederbefüllung nicht ausreichend bewerben und auf Anreizsysteme verzichten. Das sind Scheinaktivitäten für Nachhaltigkeitsberichte und Presseanfragen. Mit diesem Greenwashing muss Schluss sein. Wenn Kaffeehausketten kein bundesweites Mehrwegsystem einführen, dann muss eine Abgabe auf Einwegbecher in Höhe von 20 Cent her“, fordert die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. sk